Stefan Krüskemper
 
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Kunst bist du!pic
Dr. Peter Funken
Der Text beschreibt Stefan Krüskempers Gestaltungen für die Zürich-Schule in Berlin-Neukölln und erschien in der gleichnamigen Publikation »Ene, mene, muh, und Kunst bist du!« zum Kunst-am-Bau Projekt (2010).

 

Kunst vor Ortpic
Helga de la Motte-Haber
Den Katalogbeitrag schrieb Helga de la Motte-Haber anlässlich der Fertigstellung der Klanginstallation AIR BORNE. Erschienen ist der Text in der Publikation »AIR BORNE« im verlag für integrative kunst, 2006.

 

Philosophischer Parkspaziergangpic
Reinhard Knodt
Der City-Point wäre schlecht verstanden und verkürzt begriffen, wenn wir ihn einfach als Einkaufsparadies bezeichnen würden. Er ist viel mehr, und man versteht unsere Zeit nicht, wenn man sich nicht - kunstgestützt, wie wir das hier jetzt versuchen wollen, ein paar Gedanken über seine Herkunft macht (2005).

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Bürger machen Kunstpic
Stefan Krüskemper, María Linares, Kerstin Polzin
Die Citizen Art Days 2012 zeigten deutlich, wie viele Menschen das starke Bedürfnis haben, zu den Fragen ihrer Stadt bzw. dem öffentlichen Raum über Teilhabe, Differenz und Miteinander zu arbeiten.

 

Wie die Kunst die Bürger
gewann
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Stefan Krüskemper
Bericht über einen experimentellen Workshop in Berlin zum Verhältnis der Beteiligten bei der Umsetzung von Kunst im öffentlichen Raum publiziert in »kunststadt stadtkunst« Heft 57, 2010.

 

Public Art Practice in Berlinpic
Christina Lanzl
Berlin ranks high among the world’s urban centers. What makes this city so special, so worth living in or visiting? Perhaps it is the rewarding experience of feeling a sense of place ... (2009).

 

Mit Sprachsinn und Raumverstandpic
Stefan Krüskemper,
Der Artikel erschien 2009 in der Berliner Zeitschrift für Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Heft 56. Ausführlich beschrieben ist das Wettbewerbsverfahren und die Jurysitzung zur Kunst am Bau für das Carl Gustav Carus Universitätsklinikum in Dresden.

 

Kunst als Kompromisspic
Stefan Krüskemper, Patricia Pisani
Fokus dieses Texts ist die Jurysitzung eines Kunstwettbewerbs in Berlin, die durch den Konflikt zwischen Nutzern und Fachpreisrichtern viele generelle Fragen aufwarf. Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift über Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Ausgabe 55, 2008.

 

Keine einfache Rechenaufgabepic
Martin Schönfeld
Kunst für einen Universitätsstandort zu entwickeln, gehört zu den sehr attraktiven Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum. Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift über Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Ausgabe 53, 2006.

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Wo kommt eigentlich die Kunst her?pic
Maria Linares, Stefan Krüskemper
Maria Linarres im Gespräch mit Stefan Krüskemper über den Begriff der Partizipation und Emanzipation. Erschienen ist der Text in »Ene, mene, muh, und Kunst bist du!« (2010).

 

AIR BORNEpic
Jörg Amonat, Karlheinz Essl, Stefan Krüskemper
Während der Realisierungsphase der Klanginstallation im Aerodynamischen Park in Berlin Adlershof wurde das Gespräch der Künstler aufgenommen und transkribiert. Erschienen ist der Text in der Publikation »AIR BORNE« im verlag für integrative kunst, 2006.

 

Alles im grünen Bereichpic
Jörg Amonat, Stefan Krüskemper, Michael Schneider, Johannes Volkmann
Ein Gespräch zwischen Michael Schneider und dem buero für integrative kunst über die Umsetzung des Projekts »parkTV« vor Ort. Erschienen ist der Text in der Publikation »parkTV - Alles im grünen Bereich« im verlag für integrative kunst, 2005.

 

Heute ist ein schöner Tagpic
Jörg Amonat, Anne Eberle, Stefan Krüskemper
Das Interview mit der Erwerbslosen Anne Eberle entstand für die Ausstellung »Science + Fiction« auf Einladung der Künstler Dellbrügge und de Moll für ihre Wissens-Installation »Wild Cards«, 2003.

 

Positionen und Tendenzenpic
Christina Jacoby, Stefan Krüskemper, Heidi Sadlowski
Auszug aus einem Interview von Christina Jacoby mit Heidi Sadlowski und Stefan Krüskemper zu ihrem Projekt »Arbeit über Arbeit«. Erschienen ist der Text in der Publikation »Positionen und Tendenzen - goes public«, 2001 im Verlag für moderne Kunst, 2001.

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Politische Aspekte von Kunst im urbanen Raumpic
Stefan Krüskemper
Der Vortrag war am 5. Februar 2009 im Haus Huth der Daimler Contemporary im Rahmen der Veranstaltung »Vom Reiterstandbild zum Graffiti« zu hören. Beleuchtet wurde an diesem Abend die Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum unter dem Aspekt ihrer politischen Aussagefähigkeit und Wirkungsfähigkeit.

 

Kunst im öffentlichen Raumpic
Dr. Anne Marie Freybourg
Zur Eröffnung der Klanginstallation »AIR BORNE« am 25. Oktober 2006 hielt Dr. Anne Marie Freybourg als Mitglied der Jury die nachfolgende Rede.

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Der Traum vom Raumpic
Stefan Krüskemper
Während eines Arbeitsaufenthalts in der Galerie »Autocenter« (Lovelite) in Berlin Friedrichshain entstand dieses Essay über die Kommerzialisierung von Stadt und ihren neuen Tempeln, den Einkaufsmalls. Erschienen ist der Text in der Publikation »parkTV« im verlag für integrative kunst, 2005.

 

The Matrix has youpic
Stefan Krüskemper
Das Essay ist ein Resümee des Projektes »Arbeit über Arbeit«, zu dem Soziologen, Philosophen und Künstler eingeladen waren, um über einen heutigen Arbeitsbegriff zu diskutieren. Erschienen ist der Text in den Publikationen »Arbeit über Arbeit«, 2001 und »Log.in - Netz, Kunst, Werke« im Verlag für moderne Kunst, 2001.

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Tätig werden. Ein Spiel.pic
Jörg Amonat, Stefan Krüskemper
Das Experiment einer direkten Umsetzung eines dokumentarischen Videos in eine Print-Publikation, zeigt der Beitrag für das Buch »Arbeit und Rhythmus«. Das Buch erschien im Wilhelm Fink Verlag München, 2009.

 

Team Fictionpic
Stefan Krüskemper
Der Text ist gleichzeitig Reisebericht und Textvorlage für die gleichnamige Theaterperformance, die in Cali und Berlin aufgeführt wurde. Erschienen ist das Stück in Gesprächsform in der Publikation »The Intricate Journey« im Verlag der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, 2007.

 

Arbeit simulierenpic
Stefan Krüskemper
Diese Textarbeiten stehen stellvertretend für eine Reihe Miniaturen mit besonderen Formen der Veröffentlichung. In knappester Form vermitteln diese Sätze Erkenntnis über eine komplexe Fragestellung. Erschienen sind diese Textarbeiten in der Ausstellung »KunstRaumFranken« im Kunsthaus Nürnberg als Leuchtkästen, 2001.

Ein philosophischer Parkspaziergang
Reinhard Knodt

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Herzlich willkommen im City-Point zu »parkTV«. Der City-Point wäre schlecht verstanden und verkürzt begriffen, wenn wir ihn einfach als Einkaufsparadies bezeichnen würden. Er ist viel mehr, und man versteht unsere Zeit nicht, wenn man sich nicht - kunstgestützt, wie wir das hier jetzt versuchen wollen, ein paar Gedanken über seine Herkunft macht. Sie stehen hier inmitten von Surrogaten - denken Sie vielleicht. Hier haben Sie eine Liegewiese aus Kunstrasen, dort haben sie etwa einen Brunnen, dessen Wasser aus der öffentlichen Versorgung stammt, Sie sehen künstliche Blumen und wer weiß, haben Sie auch schon vom »ParkTV_Duft« probiert, der hier in Parfumfläschchen zu haben ist. Ich beeile mich Ihnen zu sagen, dass es hier nicht um Ironie oder die falsche Indienstnahme eines der - sicherlich - schönsten Warenhäuser Nürnbergs geht. Worum es geht, ist nichts weniger als der größte Sehnsuchtstraum des Menschen. Er ist symbolisiert durch das Wort Paradies. Dieses ist, wie Sie vielleicht wissen, persisch und heißt Garten.

publikation

Erschienen in : parkTV, verlag für integrative kunst, Berlin 2005.
ISBN: 3-906086-90-9

 

Der Garten ist seit Alters das Symbol der Sehnsucht. Die Gärten der Semiramis, die Nilgärten, der christliche Mythos vom Paradies, das Perystil der alten Römer, der mittelalterliche Kreuz- und Klostergarten, die Rosen-, Paradies- und Liebesgärtlein des Barock, die fürstlichen Repräsentationsgärten und die sich überlagernden italienischen, französischen und englischen Stile des 18. und 19. Jh., die Volksparks schließlich, die Tivolis, die Idee der Gartenstadt, der moderne Freizeitpark und die Erlebnis- und Ferienparadiese unserer Tage und der City-Point - sie alle haben, trotz wechselnder Gestalten, eines gemeinsam: Sie sind Sehnsuchtsinseln gegen ihre Zeit - und sie sind es doch im Stil ihrer jeweiligen Zeit. Sie formen eine ideale Welt, in der sich Schönheit und Nützlichkeit, Kunst und Natur, Menschenbauwerk und Landschaft, Natur und Kunst ineinander verkehren und so eine geheime Metaphysik mit einem praktischen Anspruch verbinden. Hier, bei ParkTV im City-Point ist es nicht anders. Wer einen Garten liebt, hat eine Religion, heißt es. Die Religion unserer Zeit - also die Verbindung von Arbeit und Konsum als Lebensstil - wird weitgehend an Orten wie dem City-Point besonders gefeiert. Und daher denke ich ist es nicht übertrieben, zu sagen, wir beschäftigen uns gewissermaßen mit der Religion unserer Zeit, hinter der – Heidegger hat es gesagt, die Technik als Metaphysik unserer Zeit steht. Sie verbindet sich in Arealen wie diesem mit den Urbildern der menschlichen Sehnsucht, und während etwa die buddhistischen Zen-Priester schon immer Gartenarbeit als Ersatz für Meditation ansahen, gibt es auch für den gebildeten Europäer des 19. und 20 Jh. eine Tätigkeit, die sich vor allem mit dem Garten, bzw. dem Park verbindet. Ich meine: Das Spazieren gehen.

Vielleicht denken Sie, dass die heute in der Zeit der technikgestützten Erlebnisfreizeit und der Mountainbikes und einrollbaren Kunstrasens das Spazieren gehen ein wenig aus der Mode gekommen ist. Aber ich sage Ihnen, es wird sehr viel mehr spazieren gegangen, als wir glauben. Wir tun es nur anders, etwa mit dem Scheckbuch in der Brusttasche. Das hat allerlei Vorteile, etwa wird die Arbeit nicht weniger. Sollten Sie übrigens der Meinung sein, gelegentlich ohne zu konsumieren einfach so auf einer Wiese spazieren zu gehen, so kann ich Ihnen verraten, daß all dies auch auf der Wiese der Fall ist, dort heißt es dann eben Auto, Leichtlaufwanderschuhe, Anorak aus »ultra-light-fleece«, Parkplatz und Restaurationsindustrie. Es ist also wesentlich umweltschädlicher und kostspieliger, »einfach so« spazieren zu gehen und abgesehen von einigen fränkischen Ausnahmen, die ich Ihnen gern zugebe, ist auch der Genuss normaler gewachsener Bäume kostspieliger als das Aufstellen von Plastikbäumen. Und diejenigen, die den Genuss echter Bäume, echten Rasens, echter Quellen oder gar eines echten Quarzsandstrandes auf den Seychellen lieben, die lieben in Wirklichkeit nicht die Natur, sondern nur ein viel aufwendigeres und unbescheideneres Produkt der Natur und Tourismusindustrie. Also - halten Sie sich nicht für naturnah und bescheiden nur weil Sie sich den Luxus erlauben, ein Stück ehemals technikgestützt und sentimental zu konsumieren. Die wahren Bescheidenen und daher auch moralisch Überlegenen unserer Tage sind diejenigen, die sich mit dem zufrieden geben mit dem, was für alle da ist, und für alle sind die Dinge da, die man leicht herstellen kann und bei deren Genuss es keinen übermäßigen Dreck gibt, wie eben Plastikbäume, Kunstrasen oder eben die Anlagen des City-Point. Und was das auf sich hat, erkläre ich Ihnen jetzt. Bitte folgen Sie mir:

Der Brunnen
Kommen wir zum Phänomen des Brunnens. Sie wissen, dass das Paradies an den Quellen zweier Flüsse liegt, Euphrat und Tigris. Diese Gegend, also die Ost-Türkei und vor allem der heutige Irak bis Bagdad war zu der Zeit, als der Paradiesmythos entstand, sehr fruchtbar. Wassergärten und Pflanzungen, fruchtbare Täler, Mandelbäume und Rosenparfümherstellung hätten Sie dort gefunden. Das biblische Altertum war diesen Regionen sozusagen günstiger als die heutige Zeit. Die Vorstellung eines weiten Fruchtgarten also müssen Sie mit der Vorstellung vom Brunnen des Paradieses verknüpfen. Gehen Sie ins 13. und 14. Jh. , so sind die Erzählungen des Paradiesbrünnleins überliefert, sehen Sie in die Päpstlichen Gärten des 16. Jh. und in die Nachfolgeprodukte aus Barock und Rokoko, so haben sich die Paradiesbrunnen in Fontänen und Becken verwandelt. Etwa gibt es in vielen Anlagen zu den Springbrunnen abgetrennte Fischbecken. Der englische Park sodann schaffte die Springbrunnen ab, die ihren Gang in die Städte antraten und heute en Miniature auf jedem Kleinstadtmarktplatz und in Kleingärten drapiert werden. Man baute in den Parks stattdessen künstliche Seen, um dem Bild der realen Natur näher zu kommen, in der es ja keine Springbrunnen gab. Aber das war eigentlich nur der Fall, weil man sich nicht mehr an den hebräischen Mythos entsann, in dem der Herr Wasser aus dem Felsen schießen lässt. Kurz gesagt, die Fontäne ist dem biblischen Mythos näher als dem aufgeklärten Jahrhundert und die Emanzipation nach Rousseau verfrachtet die Fontäne in die Rumpelkammer während der scheinbar natürliche See in den Park verfrachtet wird.

Hinter dem Brunnen steht das idyllische Sehnsuchtsbild eines Gottes, der für uns wirkt, der uns eine angenehme Umgebung und trinkbares Wasser, Fruchtbarkeit also schafft, die Berühmte Erinnerung an die »Orge« - jene Kraft der Natur, die alles zum Sprießen bringt. Nach mittelalterlicher Anschauung ist das Wasser, je näher man dem Paradies kommt desto mehr mit dem Wasser des ewigen Lebens gespeist sei, so dass wer einmal davon getrunken hat, nicht mehr dürstet, und wer einmal darin gebadet nicht mehr alt und nicht mehr hässlich wird. Der Jungbrunnen also. (–) Kaufen Sie sich also einen Brunnen, am besten mit elektrischem Antrieb für die Fensterbank und denken Sie an den Mythos des Paradieses.

Die Liegewiese
Die Geschichte des Parks ist sehr alt. Das Wort kommt aus dem Altfranzösischen und heißt parcus, daraus wurde später parcour – es ist jene »lichte Stelle im Wald, an der der Hof seinen Ort des festlichen Aufgebots hatte, das Rencontre – der Ort also, an dem man sich traf, lagerte aber auch Wettkämpfe veranstaltete, Bogenschießen, Pferderennen, Ballspiele. Der Parcus war nicht hortus, denn er diente sozusagen dem herrschaftlichen und gesellschaftlichen High life. Dass man den Parcus im Lauf der Entwicklung zunächst selber anlegte, dass man also nicht mehr zum Park ritt, sondern dass man diesen Park gewissermaßen zum eigenen Schloss holte, um dort, vor der Tür gleich die Promenade zu haben, ist eine spätere Entwicklung.

Promenade heißt übrigens auch nicht einfach »spazieren gehen«, sondern zunächst einmal das Hervortreten des Hofes. Sie müssen sich das so vorstellen, dass im künstlich angelegten »Parcus« der französische Hof des jeweiligen Schlossherrn vor den Gästen oder auch der einfachen Bevölkerung, hervortrat. Mit König und Königin, mit Damen und Hofstaat. Die Herren hatten ein Seidenkissen mit sich zu tragen, falls sich eine der Damen zu setzen wünschte, ansonsten verlustierte man sich – der gesamte Hof also, für ein, zwei Stündchen, verirrte sich ein wenig im Labyrinth, besah sich die Gartendenkmäler, meist Steinfiguren die an den antiken Mythos erinnerten und uns heutigen Ungebildeten nur wie Schrullitäten vorkommen. Anschließend traf man sich etwa im Gartensaal oder zog sich wieder zurück. Der Garten war also Promenadebühne und Ausgehfläche der höchsten Kreise. (–) Mit der Zeit wanderte er in die Stadtgärten der besseren Bürgerhäuser, meistens taten sich zehn oder elf Bürger eines Squares zusammen und ließen in der Mitte des Platzes von einem Gärtner eine Anlage pflegen, die abends verschlossen wurde und im Volkspark wurde der Park als Spazierfläche sozusagen demokratisiert.

Wir hier befinden uns in einem Garten des 21. Jahrhunderts, in »ParkTV«. Das eine modernen Einkaufsmalls der geeignete Ort für einen Garten ist, glauben Sie vielleicht nicht gleich, aber man kann es nachweisen - denken Sie nur an die Gartenmöbel, Palmen in Kübeln, an die Dekoration des einen oder anderen Kaffees, an künstliche Wasserfälle Kioske und – in Erinnerung an den alten Barockpark - an die unendlichen Labyrinthe der Waren, also Wege, Rolltreppen, Gänge. Sogar Sonnenschirme sind aufgestellt, wie Sie wissen - aber die halten natürlich keine Sonne ab, sie erinnern nur wie von fern an den Strand von Bahaia... - Es gibt Areale in modernen Malls, da braucht man keinen einzigen Gegenstand wirklich und dennoch kommen die Menschen um das kleine Erlebnis der Öffnung im Alltag zu haben, um also die Liegewiese zu besuchen oder das, was sie symbolisiert, die paradiesische Ruhe, um schnell einen Kaffee zu trinken, den Wasserfall rauschen zu hören. Die Fransen der Sonnenschirme flappen im Wind der Ventilatoren, die Rolltreppen stöhnen und dann kaufen sie auch etwas, ein Plakat etwa, einen Aschenbecher mit der Aufschrift "New York" oder eine Zeitung. Wir wissen, wir sind in einer Mall, sozusagen dem Wiesenflanierstück des Paradieses, wo wir Ruhe vor des Alltags Last empfinden.

Und dass ich das hier nicht einfach ironischerweise erfinde, beweise ich Ihnen auch: - Als Lady Montague, die Schwester der englischen Königin auf ihrer Reise in die Türkei für ihre Freundin Mrs. Skerrit im Jahr 1716 Brüssler Spitzen einkaufen soll, geht sie, wie sie schreibt, auf die »Maille der Vornehmen«, also auf der »Mall« spazieren. Sie schreibt: »Hier sind verschiedene herrlich gebaute, viereckige offene Plätze, und, was mir eine besondere Schönheit erscheint, alle mit hohen und dichtbelaubten Bäumen besetzt. Voorhout ist zugleich der Hydepark und die Maille der Vornehmen, sie gehen und fahren da spazieren. Hier gibt es Buden mit Waffeln, Eisgetränke...« usw.

Die Atmosphäre
Ich will jetzt zum Kern meiner Botschaft kommen. Normalerweise kommt die Wahrheit auf Taubenfüßen sagt man. Meine Wahrheit rührt sozusagen von den unmerklichsten Gegenständen. Sie hören, wenn Sie ruhiger wären, das Vogelgezwitscher. Ansonsten haben Sie vielleicht gar in der Hand das Parfumfläschchen mit einem bereits hier erworbenen Duft namens »parkTV«. Sie haben damit gewissermaßen die wichtigsten atmosphärischen Bestandteile des Parks in Händen, bzw. in Nase und Ohren. Dass es sich um die Nase und die Ohren handelt, ist sehr wichtig. Denn die Atmosphäre eines Raumes ist nicht allein mit den Augen wahrzunehmen sondern mit allen Sinnen, also über die Haut die Nase, die Ohren die Augen: Alle Sinne müssen sozusagen zu ihrem Recht kommen und das Zentrale Organ zur Wahrnehmung der Atmosphäre ist bereits in der Überlieferung die Nase!

Der Mönch Beda soll aus dem Paradies zurückkehrend, in das er beim Segeln nach Westen zufällig verschlagen wurde, nach diesem Paradies gerochen haben. Der Duft des Paradieses soll ihn (ansonsten) so satt gemacht haben, dass er kaum mehr essen brauchte und diejenigen, die bei ihm waren, wollen allein aus dem Duft auch diese Eigenschaft des Sattseins zumindest für ein paar Wochen verspürt haben.
Der Aufwand in paradiesischen Dingen - denken Sie allein an die geistigen Zurichtungen - ist bekanntlich erheblich. Dass es Jahre dauert um sich eine Bildung zu verschaffen, die es ermöglicht nicht nur in alten Bibliotheken zu wühlen sondern richtig satt zu sein, wenn man etwas entdeckt, bedeutet eine völlige Unbildung und Vergeistigung der Persönlichkeit, die auf diese Weise asketisch leben kann. Dass es Geld braucht um Reisen zu machen ist auch eine bekannte Sache. Aber was soll man denn tun, wenn anders der Duft des Paradieses die Kleider einfach nicht berührt und die Unbildung und das Nicht-Weitgereist-Sein einem sozusagen aus Gesicht und Kleidern spricht? Technische Gesellschaften und der american way of life sind hier einen Schritt weiter, und auch in Bagdad und der Gegend des ehemaligen Paradieses dürfte es ihn in Erfüllung der biblischen Weltgeschichte nun sicher auch bald geben - nein - ich meine nicht Babylon als Supermarkt! Ich spreche von etwas anderem, ich spreche vom Duft »parkTV_Duft«. Produzent ist das »buero für integrative kunst«, Herstellung und Vertrieb heute abend im City-Point. »parkTV_Duft« ist nicht einfach ein Parfum. Er besteht aus echten ätherischen Ölen - es ist riechbare Atmosphäre des Paradieses.

Früher stellte man auch in Parks Atmosphären her und man machte das - wahrscheinlich aus Unkenntnis sehr viel aufwendiger als heute. Die alten Gartenbaulehren etwa haben großen Wert auf die Atmosphären gelegt, die in einem Park arrangiert wurden. Parks sind geradezu Stimmungskunstwerke. Man wird dort nämlich ohne dass man es bewusst merkt, von Stimmung zu Stimmung, von Atmosphäre zu Atmosphäre geführt. Von der heiteren Atmosphäre einer Blumenterasse zur melancholischen Atmosphäre eines Brunnens, oder zur herrschaftlichen Atmosphäre einer Allee. Schnell fließendes, seichtes Wasser wirkt erheiternd, kann man da lesen; stehendes dunkles Wasser, wirke geheimnisvoll. Stehendes tiefes Wasser, in das Sonnenstrahlen dringen, wirkt geistig; Wasser im Schatten wirkt ernüchternd und kühl. Die Gartenbaulehren des 18. Jh. etwa Jakob Hirschfelds, würden endlose Kommentare zu solchen Beobachtungen und Möglichkeiten liefern.

Nur ein Zitat: »Die sanftmelancholische Gegend bildet sich durch Versperrung aller Aussicht; durch Tiefen und Niederungen; durch dickes Gebüsch und Gehölz, oft schon durch bloße Gruppen von hohen, stark belaubten nahe aneinander gedrängten Bäumen, und deren Wipfeln ein hohles Geräusch schwebt, durch stillstehendes oder dumpfmurmelndes Gewässer, dessen Anblick versteckt ist, durch Laubwerk von einem dunklen und schwärzlichen Grün, durch tief herabhängende Blätter und überall verbreitete Schatten... In einer solchen Gegend fallen sparsame Lichter nur durch, um den Einfluss der Dunkelheit vor dem Traurigen oder Fürchterlichen zu schützen. Die Stille und die Einsamkeit haben hier ihre Heimat. Ein Vogel, der ungesellig umherflattert, eine Holztaube, die in den hohlen Gipfel einer entlaubten Eiche girrt und eine verirrte Nachtigall, die ihre Leiden der Einöde klagt - ist zur Ausstaffierung der Szene schon hinreichend.«

Sie Sehen auch schon damals - alles Technik! Wie einfach haben wir es dagegen! Wir greifen zu »parkTV_Duft« und wir hören Vögel vom Band. Wir wissen, es ist auch nur Technik, die und anhand einer Rückerinnerung an einen alten Mythos zur Hand geht. Gärten sind Sehnsuchtsparadiese, die uns aus dem Alltag unserer Zeit locken sollen, aber sie sind mit den Mitteln unserer Zeit ausstaffiert.

Hier in »ParkTV« befinden Sie sich in einem solchen. Ich danke ihnen und wünsche Ihnen ERKENNTNISSE UND VERGNÜGEN.

   

© 2000-2017 at VG Bild-Kunst Bonn for the works of Stefan Krüskemper as well as the respective artists and authors.

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