Stefan Krüskemper
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Kunst bist du!pic
Dr. Peter Funken
Der Text beschreibt Stefan Krüskempers Gestaltungen für die Zürich-Schule in Berlin-Neukölln und erschien in der gleichnamigen Publikation »Ene, mene, muh, und Kunst bist du!« zum Kunst-am-Bau Projekt (2010).

 

Kunst vor Ortpic
Helga de la Motte-Haber
Den Katalogbeitrag schrieb Helga de la Motte-Haber anlässlich der Fertigstellung der Klanginstallation AIR BORNE. Erschienen ist der Text in der Publikation »AIR BORNE« im verlag für integrative kunst, 2006.

 

Philosophischer Parkspaziergangpic
Reinhard Knodt
Der City-Point wäre schlecht verstanden und verkürzt begriffen, wenn wir ihn einfach als Einkaufsparadies bezeichnen würden. Er ist viel mehr, und man versteht unsere Zeit nicht, wenn man sich nicht - kunstgestützt, wie wir das hier jetzt versuchen wollen, ein paar Gedanken über seine Herkunft macht (2005).

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Bürger machen Kunstpic
Stefan Krüskemper, María Linares, Kerstin Polzin
Die Citizen Art Days 2012 zeigten deutlich, wie viele Menschen das starke Bedürfnis haben, zu den Fragen ihrer Stadt bzw. dem öffentlichen Raum über Teilhabe, Differenz und Miteinander zu arbeiten.

 

Wie die Kunst die Bürger
gewann
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Stefan Krüskemper
Bericht über einen experimentellen Workshop in Berlin zum Verhältnis der Beteiligten bei der Umsetzung von Kunst im öffentlichen Raum publiziert in »kunststadt stadtkunst« Heft 57, 2010.

 

Public Art Practice in Berlinpic
Christina Lanzl
Berlin ranks high among the world’s urban centers. What makes this city so special, so worth living in or visiting? Perhaps it is the rewarding experience of feeling a sense of place ... (2009).

 

Mit Sprachsinn und Raumverstandpic
Stefan Krüskemper,
Der Artikel erschien 2009 in der Berliner Zeitschrift für Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Heft 56. Ausführlich beschrieben ist das Wettbewerbsverfahren und die Jurysitzung zur Kunst am Bau für das Carl Gustav Carus Universitätsklinikum in Dresden.

 

Kunst als Kompromisspic
Stefan Krüskemper, Patricia Pisani
Fokus dieses Texts ist die Jurysitzung eines Kunstwettbewerbs in Berlin, die durch den Konflikt zwischen Nutzern und Fachpreisrichtern viele generelle Fragen aufwarf. Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift über Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Ausgabe 55, 2008.

 

Keine einfache Rechenaufgabepic
Martin Schönfeld
Kunst für einen Universitätsstandort zu entwickeln, gehört zu den sehr attraktiven Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum. Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift über Kunst im Öffentlichen Raum »Kunststadt - Stadtkunst«, Ausgabe 53, 2006.

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Wo kommt eigentlich die Kunst her?pic
Maria Linares, Stefan Krüskemper
Maria Linarres im Gespräch mit Stefan Krüskemper über den Begriff der Partizipation und Emanzipation. Erschienen ist der Text in »Ene, mene, muh, und Kunst bist du!« (2010).

 

AIR BORNEpic
Jörg Amonat, Karlheinz Essl, Stefan Krüskemper
Während der Realisierungsphase der Klanginstallation im Aerodynamischen Park in Berlin Adlershof wurde das Gespräch der Künstler aufgenommen und transkribiert. Erschienen ist der Text in der Publikation »AIR BORNE« im verlag für integrative kunst, 2006.

 

Alles im grünen Bereichpic
Jörg Amonat, Stefan Krüskemper, Michael Schneider, Johannes Volkmann
Ein Gespräch zwischen Michael Schneider und dem buero für integrative kunst über die Umsetzung des Projekts »parkTV« vor Ort. Erschienen ist der Text in der Publikation »parkTV - Alles im grünen Bereich« im verlag für integrative kunst, 2005.

 

Heute ist ein schöner Tagpic
Jörg Amonat, Anne Eberle, Stefan Krüskemper
Das Interview mit der Erwerbslosen Anne Eberle entstand für die Ausstellung »Science + Fiction« auf Einladung der Künstler Dellbrügge und de Moll für ihre Wissens-Installation »Wild Cards«, 2003.

 

Positionen und Tendenzenpic
Christina Jacoby, Stefan Krüskemper, Heidi Sadlowski
Auszug aus einem Interview von Christina Jacoby mit Heidi Sadlowski und Stefan Krüskemper zu ihrem Projekt »Arbeit über Arbeit«. Erschienen ist der Text in der Publikation »Positionen und Tendenzen - goes public«, 2001 im Verlag für moderne Kunst, 2001.

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Politische Aspekte von Kunst im urbanen Raumpic
Stefan Krüskemper
Der Vortrag war am 5. Februar 2009 im Haus Huth der Daimler Contemporary im Rahmen der Veranstaltung »Vom Reiterstandbild zum Graffiti« zu hören. Beleuchtet wurde an diesem Abend die Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum unter dem Aspekt ihrer politischen Aussagefähigkeit und Wirkungsfähigkeit.

 

Kunst im öffentlichen Raumpic
Dr. Anne Marie Freybourg
Zur Eröffnung der Klanginstallation »AIR BORNE« am 25. Oktober 2006 hielt Dr. Anne Marie Freybourg als Mitglied der Jury die nachfolgende Rede.

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Der Traum vom Raumpic
Stefan Krüskemper
Während eines Arbeitsaufenthalts in der Galerie »Autocenter« (Lovelite) in Berlin Friedrichshain entstand dieses Essay über die Kommerzialisierung von Stadt und ihren neuen Tempeln, den Einkaufsmalls. Erschienen ist der Text in der Publikation »parkTV« im verlag für integrative kunst, 2005.

 

The Matrix has youpic
Stefan Krüskemper
Das Essay ist ein Resümee des Projektes »Arbeit über Arbeit«, zu dem Soziologen, Philosophen und Künstler eingeladen waren, um über einen heutigen Arbeitsbegriff zu diskutieren. Erschienen ist der Text in den Publikationen »Arbeit über Arbeit«, 2001 und »Log.in - Netz, Kunst, Werke« im Verlag für moderne Kunst, 2001.

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Tätig werden. Ein Spiel.pic
Jörg Amonat, Stefan Krüskemper
Das Experiment einer direkten Umsetzung eines dokumentarischen Videos in eine Print-Publikation, zeigt der Beitrag für das Buch »Arbeit und Rhythmus«. Das Buch erschien im Wilhelm Fink Verlag München, 2009.

 

Team Fictionpic
Stefan Krüskemper
Der Text ist gleichzeitig Reisebericht und Textvorlage für die gleichnamige Theaterperformance, die in Cali und Berlin aufgeführt wurde. Erschienen ist das Stück in Gesprächsform in der Publikation »The Intricate Journey« im Verlag der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, 2007.

 

Arbeit simulierenpic
Stefan Krüskemper
Diese Textarbeiten stehen stellvertretend für eine Reihe Miniaturen mit besonderen Formen der Veröffentlichung. In knappester Form vermitteln diese Sätze Erkenntnis über eine komplexe Fragestellung. Erschienen sind diese Textarbeiten in der Ausstellung »KunstRaumFranken« im Kunsthaus Nürnberg als Leuchtkästen, 2001.

Team Fiction
Stefan Krüskemper

1
Berliner Wohnung. Hell, leer, ruhig. Essen am einzigen Tisch. Klassikkonzert leise vom Radio.

WEISS: Wenn ihr Hilfe benötigt, sagt es mir. Ich arbeite in Cali mit einer Gruppe von Leuten zusammen, die mir beim Performance-Festival helfen. Es sind junge Männer, die euch begleiten können und etwas auf euch achten. Gerade wenn ihr Video- oder Fotoaufnahmen auf der Straße machen möchtet.

TÜRKIS: Ihr seid in guten Händen, wenn ihr im lugar a dudas ankommt. Ihr seid aber auch schon dadurch privilegiert, dass eine Kolumbianerin Teil eurer Gruppe ist. Ihr kennt WEISS, der in Cali lebt und die Dynamik der Stadt sehr gut kennt.

ROT: Ich habe gelesen, dass es für Touristen nicht empfehlenswert ist, über Land zu fahren.

TÜRKIS: Seit wir einen neuen Präsidenten haben, ist das kein Problem mehr.

PINK: Vor zehn Jahren war das vielleicht ein Problem, aber heute nicht mehr.

TÜRKIS: Es ist kein Problem mehr, weil es heute eine paramilitärische Politik gibt, wenn ihr wisst, wie ich das meine. Das ist vielleicht nicht der beste Weg, aber es hat dazu geführt, dass es heute viel sicherer ist als vor fünf Jahren.

ROT: Die offizielle Webseite des deutschen Außenministeriums stuft das Land immer noch als sehr gefährlich ein. Sie warnen unter anderem vor Überlandfahrten, bzw. raten zum Beispiel Touristen ganz von einem Besuch Kolumbiens ab.

TÜRKIS: Haltet die Ratschläge ein. Aber bedenkt, dass ihr Vorteile gegenüber normalen Touristen habt. Ihr seid mit Kolumbianern unterwegs und kennt Leute. Normale Touristen wissen nichts. Sie kommen mit einem «PLOPP!» aus dem Nichts. Das nennen wir «Papaya geben».

PINK: Ja, es ist wie eine Einladung. Deshalb empfehle ich, wenn Leute aus Europa kommen: nie alleine. Nie.

WEISS: Gefährlich ist zum Beispiel, wenn ihr jemanden auf der Straße trefft, der besonders nett und freundlich ist, der so tut, als wäre er plötzlich euer Freund. Bei diesen Dingen müsst ihr alarmiert sein.

PINK: Akzeptiert nichts von Fremden auf der Straße. Wenn sie euch etwas zu trinken oder zu essen geben. Niemals. Auch wenn alles ganz nett wirkt.

TÜRKIS: Es hört sich stressig an und das ist es auch. Das ist einfach Fakt.

Publikation

Erschienen in: The Intricate Journey, Hrsg. NGBK, Berlin 2007.
ISBN 3-938515-09-0

 

2
En el calor de la tarde está ROJO sentado en la entrada del centro de arte lugar a dudas. ROSADO sale por la puerta de la casa.

ROSADO: Estás esperando, ¿los otros aún no están listos?

ROJO: Les dije que ya estabas esperando fuera. Pensé que serviría para algo.

Estoy haciendo una grabación de los sonidos. Es totalmente interesante cuántos sonidos se pueden escuchar a la vez. Es como si el aire tropical hiciera el sonido aún más intenso. Omaira barriendo, las chicharras, las voces que salen de la escuela; luego pasa uno con un carro de madera castañeteando.

ROSADO: ¿Quieres incluir los ruidos en tu pieza?

ROJO: Sí.

Se oyen en el fondo los ruidos de Cali.

ROSADO: Es imposible ser puntual con tanta gente. Creo que AZUL tiene otro sentido del tiempo. Ayer ya estábamos todos esperando fuera, y AZUL seguía sentado frente al computador. Me preguntó si le podría ayudar a vaciar la caché. Yo le dije: «Hombre, todos nos están esperando fuera», y entonces respondió: «O.k., ya voy». Pero siguió frente al computador, sin salir. Como que él tiene una percepción completamente diferente del tiempo.

ROJO: ¿Será que subimos otra vez y vemos en qué andan?

ROSADO: Yo voy.

3
Por la tarde en la terraza de lugar a dudas. Viendo lo que pasa en la calle. Con cinco cervezas.

ROSADO: El comentario vino de MARRÓN, ella dijo que había participado en cantidad de programas de arte en los que siempre se incluye un viaje al punto más lejano de la tierra, para que una produzca algo allí.

VERDE: A mí me parece bien, si para ti son vacaciones. Yo tuve mis últimas vacaciones de arte hace dos años. También fue muy agradable.

AZUL: Me imagino.

ROSADO: A mi me parece un desarrollo muy interesante, ir a un sitio para desarrollar una obra, así como lo hacemos nosotros aquí. También tiene que ver con una especie de desarraigo interior. En todo caso, se produce más fácil estando en otro lugar; es práctico porque no tienes otras citas que estorben, ni todas las obligaciones que normalmente te frenan, y entonces puedes simplemente trabajar. Desconectado...

AZUL: ... tratar de meterse en un contexto extraño. Una estadía así en el extranjero también es un buen camino para probar qué tan sólido es el suelo en que normalmente camino. De vez en cuando, abandonar los rituales de trabajo que uno tiene en casa y revisarlos, eso me parece importante.

VERDE: Claro, pero nosotros estamos aquí en lugar a dudas en un contexto de arte muy protegido y muy conocido para nosotros, que no plantea de por sí preguntas. No lo quiero cuestionar tan pronto, poco después de nuestra llegada, pero aquí ya me siento como en mi casa.

AZUL: Yo pienso lo mismo. Pero hacer una instalación o una intervención en el espacio público de Cali es algo totalmente diferente a hacerla en Madrid o en Berlín. Aquí, en la calle, existe un código distinto al de Madrid, muchas estrategias que usaría allí no funcionarían acá. Y las cuestiones que se asocian son bien interesantes para mí.

VERDE: Sí, estoy absolutamente de acuerdo.

AZUL: Para una obra de estudio seguramente no es muy relevante dónde la haces. Pero si uno decide entrar en un determinado contexto, pues entonces el contexto ya es relevante, porque puede cambiar tu obra. Uno tiene que permitirlo.

4
BLAU: Die Situation war für die kolumbianischen Künstler ja ähnlich, als sie im Januar in Berlin waren. Auch weil es keine direkte Beziehung zu einem Kunstinstitut gab, abgesehen von unseren Treffen in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, der NGBK. So waren sie die meiste Zeit auf sich gestellt, waren oft in der gemieteten Wohnung, in der wir uns ja regelmäßig zum Brunch trafen. Das ist eine ungewöhnliche Situation.

PINK: Mal unabhängig davon, wie so etwas für gewöhnlich gehandhabt wird, hatten die kolumbianischen Künstler in Berlin durch uns einen persönlichen Bezug, oder? Ich fand jedenfalls, dass die Kommunikation wirklich gut geklappt hat.

BLAU: Für mich ist dieses Persönliche auch eine der großen Möglichkeiten für jeden Teilnehmer innerhalb unseres Projektes, wie auch immer es sich letztlich materialisiert hat oder noch entwickeln wird. Es steht jedenfalls in einem Gegensatz zu dem Verfahren, dass ein Kurator ein Konzept hat und daraufhin bestimmte Künstler einlädt. Die dann kommen, ihre Arbeit machen und wieder gehen. Da finde ich unsere Idee überzeugender, dass eine Gruppe von Künstlern ein Projekt selbst macht, um Diskurs zu generieren und so wirkliche Beziehungen zwischen den Künstlern entstehen. Das ist doch viel wichtiger als die einzelnen Positionen der individuellen Künstler. Ob jetzt unser Format die beste aller Möglichkeiten ist, weiß ich nicht, aber in der Umsetzung mag ich es. Vor allem, dass individualistische Künstler mit ihrer Arbeit so in eine Gruppe eingebunden werden.

PINK: Der Zeitrahmen macht es etwas schwierig, Formen der Kollaboration tiefer zu erkunden.

GRÜN: Na ja, aber wir diskutieren und besprechen schon unsere Arbeiten und unsere Eindrücke. Das würde ich mit einem Kurator nie in dieser Form tun. Ich würde es ihm immer sehr viel später und ausgefeilter, sozusagen wasserdicht, präsentieren. Wenn ich euch etwas zeige, ist es mehr als Frage gemeint: Was ist möglich? Hiermit oder an dieser Stelle bin ich unsicher. Was denkt ihr? – Es ist eine Klärung.

ROT: Für ein Projekt wie unseres wäre es wichtig, diesen Prozess überhaupt für jemanden sichtbar zu machen. Das war ja eine meiner Fragen an FX Baier: Wie wird ein neuer Raum, den sich eine Gruppe von Menschen erschließt, eröffnet, wie wird er sichtbar? Lässt sich der Schlüssel zeigen? Die Gefahr ist sonst, dass das, was jetzt auf dem Tisch liegt oder später zum Abschluss zu sehen sein wird, oft wieder so eine klare künstlerische, individuelle, eben auch hermetische Position ist. Das Projekt ist aber etwas anderes für uns gewesen. Es ist mehr als die berühmte Summe der Einzelteile.

BLAU: Es zeigt sich darin, wie wir in Berlin über die unterschiedlichen künstlerischen Beiträge geredet haben. Ich glaube, dass diese Gespräche einen Einfluss auf die Arbeiten, wie sie letztlich geworden sind, hatten. Das ist ein wichtiger Punkt.

GRÜN: Für mich ist die Art unserer Gespräche eine Erfahrung, die mich an Studienzeiten erinnert ...

PINK: Ja, die Kommentare, der Austausch, das Philosophieren. Alles ist mit sehr viel mehr Freiheit, aber auch mit sehr viel mehr Verantwortung verbunden.

5
An einem Tisch im Deutsch-Kolumbianischen Kulturinstitut. Man blättert in Zeitungen und wartet. Die kolumbianische und die deutsche Flagge stehen wie Personen im Raum.

ROT: Wie hieß sie noch gleich? GRAU?

PINK: LILA.

ROT: Ah ja, LILA. Danke, PINK.

GRÜN: Ich vermute doch, dass sie gleich kommt und uns nicht vergessen hat, wir waren ja verabredet und sind angemeldet. Aber vielleicht ist das ja meine deutsche Art zu denken.

ROT: Wir waren heute zumindest nicht überpünklich.

GRÜN: Das stimmt. Man sagt in Spanien: Wer pünktlich kommt, ist unhöflich, weil er die Gastgeber in Verlegenheit bringt. Das haben wir heute sicher nicht gemacht.

ROT: In dem Heiner-Müller-Stück «Der Auftrag», über das wir zu Beginn unseres Projektes so viel geredet haben, heißt es ja in der Passage mit dem Fahrstuhl: «Fünf Minuten vor der Zeit ist die wahre Pünktlichkeit». Weißt du, woher dieser Ausdruck kommt?

GRÜN: Ich kenne das von meinem Vater. Das war so ein Wehrmachtsausspruch.

ROT: Klar, das passt zur Arbeitsweise des Collagierens bei Heiner Müller.

GRÜN: Aus dieser militanten Perspektive ist dann natürlich die Überlegung, dass Pünklichkeit unhöflich ist, subversiv ...

6
Café in Bogotá. Laut, unruhig. Eine Person redet spanisch, zwei übersetzen gestikulierend einem vierten, der schweigt.

PINK: Er hat gesagt, dass man heute zunächst an die Droge und den Kampf dagegen denkt. Aber Koka ist ein ganz altes Kulturprodukt. Sie ist seit wohl 5000 Jahren bekannt. Es gibt alte Steinfiguren in Kolumbien mit einer Auswölbung an der Backe, die zeigt, dass sie gerade Koka kauen. Das Kauen ist eine Tradition, die ganz eng verbunden ist mit der indigenen Kultur. Als dann die Spanier kamen, haben die diese Tradition, also die Kokadroge, als Verhandlungs- und Tauschmittel ausgenutzt. Damit wurde sie kommerzialisiert.

ROT nickt. SILBER redet.

PINK: Koka ist ein Mittel der Initiation bei den Nasa-Indianern, wie es ja so oder ähnlich in vielen Religionen vorkommt. Koka hat eine sakrale Basis, was für diese Indianer zum einen Kommunikation mit der Natur und zum anderen den Weg zu einem höheren spirituellen Bewusstsein bedeutet.

GRÜN: Was Du vorhin vergessen hast, ROT zu sagen: Die Spanier haben im Prinzip dieses Geschäft von den Inkas übernommen, die ja nur dadurch die Region regieren konnten.

SILBER: Korrekt.

PINK: O.k., stimmt. Die Spanier bringen aber auch die christliche Kirche mit, die die durch Koka erreichbaren Geisteszustände gar nicht mag, weil die verhindern, dass sie die neue, kirchliche Mystik vermitteln kann. Deshalb beginnen sie damit, Koka zu verteufeln.

SILBER: «Verteufeln die Koka».

GRÜN: Sprichst du deutsch?

SILBER: Nein. «Verteufeln die Koka».

PINK: Der Kampf gegen Koka war seitdem immer derselbe, nur die Argumente haben gewechselt.
GRÜN: Vielleicht übersetzen wir einmal kurz, sonst komme ich nicht mehr mit: In Europa wurden die Kokapflanze und das Kokain seit dessen Auftauchen vor ca. 100 Jahren gleichgesetzt. Auf einer internationalen Konferenz im Jahr 1961 wurde daraufhin die Koka selbst als Droge eingestuft. Es wurde weiterhin festgelegt, dass es 25 Jahre dauern soll, bis Koka vom Planeten verschwunden ist.

PINK: Aber 1895 wurde ja dieses schmutzige Getränk, das es nun überall zu kaufen gibt, erfunden. Coca-Cola meint er. Er hat den Namen aber nicht ausgesprochen. In der besagten Konvention von 1961 gab es nämlich noch eine Bemerkung, eine Einschränkung: und zwar die, dass die Nutzung der Pflanze für das schmutzige Getränk legal sei.

Ich versuche mal zusammenzufassen, was er sagte. Das ist jetzt viel. In einer späteren Konvention, 1988, haben sie Widersprüche bemerkt. Sie haben bemerkt, dass auch Indianer eine Seele haben. Daraufhin wurde die Konvention überarbeitet und die traditionelle Nutzung von Koka durch indigene Gruppen unter Auflagen ermöglicht.

GRÜN: Außerdem gibt es die Argumentation, dass Koka nicht nur indianisches Erbe ist, sondern Erbe ganz Kolumbiens. Darauf beruhend, dass Koka von der gesamten Bevölkerung konsumiert wurde. Koka ist in Kolumbien nicht nur von den Indianern benutzt worden, sondern von allen Bevölkerungsteilen. Er meint, meine Oma hat sicherlich bei Regelschmerzen oder bei Zahnschmerzen einen Koka-Tee zubereitet und dann ging es ihr besser. Auf diesem Wege haben sie erreicht, dass die verarbeitete Koka verkauft werden kann, als Tee, als Salbe, als Sekt usw.

Zur Absicherung wurde später noch informell das O.K. verschiedener Botschaften eingeholt, ob diese Form der Nutzung in Ordnung gehen würde. Dieses O.K. ist zwar da, selbst von der Botschaft der USA, aber es gibt keine wirklich rechtlich verbindliche Freigabe, was den Verkauf betrifft.

PINK: Oh, wie soll ich das jetzt zusammenfassen. Ich versuche es mal. Er hat gesagt, dass sie fünf Jahre lang produzieren konnten, aber am 8. Februar diesen Jahres, genau an dem Tag, an dem wir nach Kolumbien geflogen sind, wurde von der Betriebsaufsichtbehörde des Gesundheitsministeriums die Aufforderung verschickt, den Verkauf der Kokaprodukte zu beenden. Mit der Begründung mangelnder Hygiene. Der Tee, den wir gerade gekauft haben, wird bald nicht mehr verkauft.

GRÜN: Er meint, dass hier doch irgendetwas nicht stimmt und vermutet, dass es Druck auf einer anderen Ebene gegeben haben muss. Der jetzige Vorwurf der Behörde war ja fünf Jahre lang kein Hinderungsgrund. Sie hatten allerdings einen Rechtsstreit mit dem Coca-Cola-Konzern, der ihnen die Verwendung des Begriffs Koka untersagen wollte. Koka, ein Wort aus ihrer eigenen Kultur! Vor kurzem unterlag Coca-Cola in diesem Rechtsstreit. Er erwähnt, dass Kolumbien ein enger Verbündeter der USA ist.

7
Lugar a dudas, working table in the archive. The conversation resembles physical movement in search for the most appropriate position in space. Sound of chincharras in the background.

GREEN: My proposal: I imagine that my performance could take place amidst our presentations… more precisely after the first part of the project’s presentation, in other words before the presentation of our previous work – directly in the middle in order to create an obscure situation for the audience.

BLUE: That is the best option so far to fit the performances in. To use the singing as a break. Also, your performance has a direct relation with the issue, but is abstract enough not to appear illustrative. I almost think it works like something in a comic.

GREEN: I could imagine placing RED’s performance at the end, since a theatre performance seems to be a general reflection about the process and the strategy of speaking within the context of art. In my opinion the everyday occurrence of events reveals how specific situations of work come about. Perhaps this could open something and inspire a talk with the audience. I am not entirely sure…

RED: I am suspecting that this theatre performance should somehow take place before your singing. Also, because your singing could be such a good transition to the rest of the evening.

GREEN: This is not agreeable for me, particularly, because I do not want my piece to turn into some form of entertainment.

PINK: Absolutely, I can see that. This quickly could be read as the announcement to party-time. It might be better to place GREEN’s performance at the very beginning.

BLUE: So, you are referring to the moment just before YELLOW and me will present our work and introduce the second part with our previous works.

GREEN: If you will introduce the second part at all at this moment. This has not been decided yet.

BLUE: We had committed ourselves to this plan. The sequence of the program has already been set.

PINK: Oh dear, we have a problem.

GREEN: Yes, I know.

BLUE: Oh well, we can always tell people, that we have changed the program.

GREEN: In spite of everything else. Where do you think, RED, your performance fits in best?

RED: I’m not really sure at the moment. I guess my piece would be rather dry in its impression and effect. That is why I would consider it to be stronger if your part was placed after mine. I cannot explain that any better now. That’s my feeling for the dramaturgy, in the way one structures something, one enhances or diminishes its value.

GREEN: Hmm.

Silence.

RED: I only can express it now in the way I feel it.

BLUE: Let’s start again from the beginning. We feature two live acts and the Berlin songs of WHITE. Why don’t we do it then this way: First the theoretical part of our project, then follows what the Colombian artists have done in Berlin, then about their stay, then GREEN’s performance and then without any explanation the theatre performance, after that the presentation of previous works and finally speaking about the work in progress.

GREEN: You consider RED’s performance following straight away mine?

BLUE: Yes.

PINK: I am not sure about trying to explain these issues in a conversation, why should we?

BLUE: Because this is also an act of exchange, this is what our project is about.
GREEN: I suggest another idea. My piece could be disrupted at any particular moment. I only have to say «Stop». It should not be a concert anyway. What if I would start with singing at the very beginning as people enter and find a place to sit somewhere and they would not know, that this would belong to the presentation already?

8
A pause in the conversation. Sound of chincharras, very loud.

PINK: Could you explain your point of criticism a bit more precise?

RED: We very often deviate from the topics we have intended to talk about. This is immensely tiresome. At the moment there are burning issues that have to be dealt with. Also, the idea to start the meeting with a flashlight instead of a discussion was very well thought through. I consider it too early to talk about emotions, which are still boiling. Therefore: this discussion right now has nothing to do with the topics of today and affects my mood in an absolute negative way.

PINK: We should write down all topics in order to discuss them later.

RED: We mentioned at the beginning already to talk about these topics at another point.

PINK: However, I still think that such a conversation is not always avoidable. Sometimes topics turn interesting in the heat of a conversation – for example, I felt your tone of voice was quite sharp just now. Because you said, that you are unwilling to discuss this topic with us any longer. I find this didactic.

RED: I am going to disrupt the audio recording again. This has nothing to do with our work.

Loud switching off.

9
Warten auf GOLD im Vorraum an der Universidad del Valle in Cali, integrale art. Vier Stühle für fünf Personen.

PINK: Ist euch während der Taxifahrt aufgefallen, wie die Häuser kurz nach dem Zentrum aussahen? Das ist schon heftig.

ROT: Zwischendurch waren die Häuser total vergittert, wie Käfige, selbst die Balkone und die Geschäfte hatten nur kleine Durchreichen.

GRÜN: Du meinst den Stadtteil hinter der großen Brücke.

PINK: Ja, am Anfang, da wo das Taxi abgebogen ist. Da waren die Häuser so ganz nah an der Straße. Später war alles großzügiger und die Straßen waren breite Alleen.

ROT: Aber gerade diese Neubauten an den Alleen waren im ganzen Viertel abgesperrt. Das ist ein ganz anderes Wohnkonzept als in den Straßen davor. Mit Pförtnern, guten Wohnungen, etwas außerhalb.

PINK: Mein Bruder hat sich auch so ein Reihenhaus in Kolumbien gekauft. Die haben auch vorne einen Pförtner sitzen und sind zur Sicherheit komplett umzäunt. Genau das wollte er aber auch, damit seine Kinder ungestört spielen können.

ROT: Das, was man so gated community nennt und als Europäer ja schon kritisch sieht, da es die so wichtigen halböffentlichen Bereiche einer Stadt stark verändert. Mir ist natürlich klar, dass es hier eine ganz andere Bedeutung hat.

PINK: Hier ist es existentiell.

GRÜN: Bei mir in Berlin am Prenzlauer Berg entsteht gerade die erste. Was ich vollkommen absurd finde, weil das ja wirklich eine der sichersten Gegenden in Berlin ist. Und im Prinzip auch eine der reichsten.

ROT: Dort, wo ich wohne, ist der vordere Hofzugang mit einer Tür mit Sprechanlage verschlossen, aber der hintere, öffentliche Hof ist mit Videokameras überwacht und ein Sicherheitsdienst geht herum und spricht jeden an, den er nicht kennt. Es sind solche Mischformen, die es viel in Berlin gibt.

BLAU: Passiert denn so viel in Berlin, dass diese Maßnahmen überhaupt notwendig sind?

GRÜN: Ich glaube nicht. Es ist eben für reiche Leute, zumindest die gated community am Prenzlauer Berg. Es sind 40 Reihenhäuser, umzäunt mit einem zentralen Tor vorne. So eine Art townhouses sind das, wo man mehrere Etagen übereinander hat. Jedenfalls gibt es in Berlin dieses kolumbianische Konzept eines eigentlich offenen Hauses, mit Balkons und Garten zur Straße hin, das dann mit Gittern verschlossen wird, nicht.

ROSA die Sekretärin kommt herein.

ROSA: Entschuldigung bitte, GOLD wird sich eine halbe Stunde verspäten. Es tut ihm sehr leid und er bittet uns, eine halbe Stunde zu warten. Es gibt hier eine Cafeteria.

10
Ruhiger Innenhof im lugar a dudas. Unter Palmen. Alle sind geschafft.

PINK: Ich fühle mich total vergiftet.

ROT: Es war vielleicht nicht die beste Idee, an der stark befahrenen Hauptstraße einen Kaffee Tinto zu trinken und auf die Öffnung des Museums zu warten.

BLAU: Alle anderen saßen drinnen im Kühlen. Draußen war es in der Mittagshitze total heiß. Man kann komfortabler warten.

GRÜN: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das eine generelle lateinamerikanische Erfahrung ist. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute hier genauso empfinden wie wir. Sie sitzen irgendwo, warten auf etwas, sie wissen nicht, auf was sie warten, irgendetwas ist vielleicht noch nicht geöffnet, irgendetwas sollte eigentlich schon passiert sein oder – was weiß ich – wir müssten jetzt eigentlich von hier nach dort gehen. O.k., und dann gehen wir eben.

 

 

   

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